Was ist Klimaresilienz wert?

Klimaanpassung kostet Geld, ihr Nutzen bleibt aber oft unsichtbar. Ein neues Promotionsprojekt macht ihn am Beispiel norditalienischer Weinberge messbar.

Hagel zählt zu den kostenintensivsten Naturgefahren in Europa. Schwere konvektive Unwetter, wie das Ereignis im Juli 2023 in Norditalien (De Martin et al., 2025), verursachen versicherte Schäden in Milliardenhöhe, wobei der Weinbau besonders exponiert ist: In vielen Weinbaugebieten stellt schadensrelevanter Hagel keine Ausnahme mehr dar, sondern ist wiederkehrende Realität. Der Klimawandel dürfte solche Extremereignisse weiter verstärken (Gensini et al., 2024).

Dennoch finden physische Klimarisiken bislang kaum Eingang in finanzielle Entscheidungen. Investitionen in Resilienz verursachen unmittelbare Kosten, während ihr Nutzen, etwa vermiedene Schäden und stabilere Erlöse, meist unquantifiziert bleibt. Klimaanpassung wird daher systematisch unterbewertet. Klimaberichtsstandards wie die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD, EU-Richtlinie 2022/2464) und die EU-Taxonomie fordern Unternehmen zwar auf, künftige physische Klimarisiken offenzulegen – eine einheitliche Methode, diese Risiken in Zahlen zu fassen, gibt es jedoch nicht.

Abb. 1: Vorstellung der ersten Ergebnisse auf der
European Geoscience Union General Assembly
in Vienna, Mai 2026 (©Annika Maier).

Hier setzt ein im Frühjahr 2026 begonnenes Promotionsprojekt am IMKTRO und CEDIM an. Ziel ist die Entwicklung eines skalierbaren Bewertungsrahmens, der die Resilienzleistung in finanziellen Größen quantifiziert und so nachhaltige Investitionen unterstützt. Aufbauend auf der Physical Climate Risk Appraisal Methodology (PCRAM; IIGCC, 2025) werden physische Naturgefahren in Auswirkungen auf Erlöse, Betriebs- und Investitionsausgaben übersetzt; zudem wird ein Szenario ohne Anpassung über die Lebensdauer eines Vermögenswerts mit alternativen Anpassungspfaden verglichen.

Eine erste Fallstudie (EGU26-13023; Abb. 1) erprobt den Ansatz anhand einer typischen Investitionsfrage im norditalienischen Weinbau: Lohnt sich die Installation von Hagelschutznetzen, oder ist die staatlich geförderte Hagelversicherung ausreichend? Dazu wird eine europäische Hagelklimatologie (Punge et al., 2017) mit Daten zu Rebflächen, Erträgen und Versicherungen kombiniert; ein ökonomisches Modell (Rogna et al., 2019) bildet zudem den Wert ab, den landwirtschaftliche Betriebe einem stabilen Einkommen beimessen.

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kombination aus Hagelschutznetzen und Versicherung in den meisten Provinzen wirtschaftlich vorteilhafter ist als eine reine Versicherungslösung; insbesondere im hagelgefährdeten Nordosten und bei hochwertigen Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung (Abb. 2). Dort amortisiert sich die Investition innerhalb weniger Jahre. Hagelexposition und Traubenpreise bestimmen das Ergebnis weitaus stärker als die Installationskosten, sodass Investitionszuschüsse nur eine geringe Wirkung entfalten. Ein wirksamerer Hebel wären Versicherungsprämien, die geschützte Rebflächen tatsächlich honorieren.

Abb. 2: Vorläufige Ergebnisse auf Provinzebene für (links) hochwertige DOP-Weine und (rechts) IGT-Weine. Obere Reihen: jährlicher finanzieller Mehrwert von Hagelschutznetzen in Kombination mit Versicherung gegenüber einer reinen Versicherungslösung (€/ha/Jahr) für die geförderten Versicherungspakete A (Multirisiko), B (Pluririsiko) und C (Monorisiko). Blau: Netze wirtschaftlich vorteilhaft, rot: reine Versicherung vorteilhaft. Untere Reihen: Amortisationsdauer der Investition in Hagelschutznetze in Jahren. Man beachte die unterschiedlichen Farbskalen für DOP und IGT (©Annika Maier).

Die Norditalien-Studie dient während der gesamten Promotion als Testfeld. Ein erster Schwerpunkt liegt auf der Gefährdungskomponente: Die Hagelklimatologie soll räumlich höher aufgelöst und durch zusätzliche Beobachtungsdaten, etwa aus Radar- und Satellitenmessungen, erweitert werden. Weitere Naturgefahren wie Sturzfluten sollen integriert werden, um den Ansatz zu einer Multi-Hazard-Bewertung zu erweitern, die Synergien und Zielkonflikte zwischen Schutzmaßnahmen erfasst. Die Anwendung der Methode auf das hagelgefährdete Weinbaugebiet Mendoza in Argentinien soll zudem ihre Übertragbarkeit auf ein anderes Hagelklima sowie auf andere Versicherungs- und Fördersysteme prüfen. Langfristig soll der Bewertungsrahmen vom einzelnen Vermögenswert auf Portfolios und vernetzte Systeme skaliert werden und Investoren, Versicherern und Unternehmen eine belastbare Grundlage für klimaresiliente Investitionsentscheidungen bieten.

Literatur

De Martin, F., Manzato, A., Carlon, N., Setvák, M., and Miglietta, M. M. (2025): Dynamic and statistical analysis of giant hail environments in northeast Italy. Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society, 151(769), https://doi.org/10.1002/qj.4945.

Gensini, V. A., Ashley, W. S., Michaelis, A. C., Haberlie, A. M., Goodin, J., and Wallace, B. C. (2024): Hailstone size dichotomy in a warming climate. npj Climate and Atmospheric Science, 7, 185, https://doi.org/10.1038/s41612-024-00728-9.

IIGCC – Institutional Investors Group on Climate Change (2025): The Physical Climate Risk Appraisal Methodology (PCRAM) 2.0.

Maier, A., Daniell, J., Kunz, M., Hinz, S., Khazai, B., Schäfer, A., Girard, T., and Brand, J.: Quantifying Resilience: Applying the Physical Climate Risk Assessment Methodology (PCRAM) to Agritourism, EGU General Assembly 2026, Vienna, Austria, 3–8 May 2026, EGU26-13023, https://doi.org/10.5194/egusphere-egu26-13023, 2026.

Punge, H. J., Bedka, K. M., Kunz, M., and Reinbold, A. (2017): Hail frequency estimation across Europe based on a combination of overshooting top detections and the ERA-INTERIM reanalysis. Atmospheric Research, 198, 34–43, https://doi.org/10.1016/j.atmosres.2017.07.025.

Rogna, M., Schamel, G., and Weissensteiner, A. (2019): Choosing between hail insurance and anti-hail nets: A simple model and a simulation among apples producers in South Tyrol. BEMPS – Bozen Economics & Management Paper Series, 62, Free University of Bozen-Bolzano.

 

Zugehöriges Institut am KIT: Institut für Meteorologie und Klimaforschung Troposphärenforschung (IMKTRO) 
Autorin: Annika Maier (Oktober 2026)