Städte im Klimawandel
Städte sind zentrale und besonders komplexe Handlungsräume im Kontext des Klimawandels. Bereits heute lebt der Großteil der Erdbevölkerung in urbanen Räumen, mit steigender Tendenz. Die hohe Konzentration an Bevölkerung und Infrastruktur sowie der hohe Ressourcenbedarf machen urbane Räume zu einem starken Treiber des Klimawandels und sorgen gleichzeitig für eine hohe Vulnerabilität gegenüber seinen Folgen. Gleichzeitig verändert der Klimawandel die natürlichen Rahmenbedingungen urbaner Räume und stellt etablierte Formen der Stadtentwicklung vor neue Herausforderungen. Städte sind daher nicht nur wichtige Orte des Klimaschutzes, sondern auch zentrale Handlungsräume der Klimaanpassung.
Kommunale Klimaanpassung
Die Sommer der vergangenen Jahre verdeutlichen die Herausforderungen des Klimawandels für Städte. Längere Hitze- und Dürrephasen treffen auf dicht bebaute und versiegelte Siedlungsräume, während Starkregenereignisse zunehmend Belastungen für Entwässerungssysteme und urbane Infrastrukturen verursachen. Die Auswirkungen beider Extremereignisse werden durch die spezifischen Eigenschaften urbaner Räume verstärkt.
Die kommunale Klimaanpassung umfasst Strategien und Maßnahmen, mit denen Städte auf diese Entwicklungen reagieren. Zu den zentralen Handlungsfeldern zählen derzeit die Anpassung an sommerliche Hitze sowie die Starkregenvorsorge. Kommunen übernehmen dabei eine Schlüsselrolle, da viele Anpassungsmaßnahmen auf lokaler Ebene geplant, gesteuert und umgesetzt werden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwieweit bestehende Instrumente und Planungsansätze ausreichen, um den zukünftigen Herausforderungen wirksam zu begegnen.
Ziele des Forschungsvorhabens
Das Forschungsvorhaben widmet sich der Analyse urbaner Räume im Spannungsfeld von Klimawandel und kommunaler Klimaanpassung. Im Mittelpunkt stehen die planerischen und institutionellen Rahmenbedingungen kommunaler Steuerung, die räumlichen und funktionalen Eigenschaften von Städten sowie die Auswirkungen zunehmender Hitzebelastungen auf den urbanen Raum. Durch die Verknüpfung von Ansätzen der Stadt- und Raumplanung, Geographie und Stadtklimatologie trägt das interdisziplinäre Vorhaben zu einem vertieften Verständnis der aktuellen Ausgangssituation von Städten im Kontext des Klimawandels bei.

Folgende Fragestellungen sind dabei richtungsgebend:
- Welche Rahmenbedingungen fördern oder erschweren die kommunale Klimaanpassung?
Trotz umfangreicher fachlicher Grundlagen und wachsender gesellschaftlicher Relevanz bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede in der Umsetzung von Klimaanpassung auf kommunaler Ebene. Untersucht werden die institutionellen, planerischen und administrativen Rahmenbedingungen kommunaler Steuerung sowie bestehende Hemmnisse und Handlungsspielräume innerhalb der Planungspraxis (Boehnke et al. 2023, Boehnke 2025, Boehnke 2025b).
Ergänzend werden Ansätze entwickelt, um mithilfe wissenschaftlicher Ansätze praxisrelevante Ergebnisse zu generieren und damit komplexe Planungsentscheidungen zu unterstützen (Boehnke & Walter 2025, Gallacher & Boehnke 2025, Keller et al. 2025, Naber et al. 2022, Böhnke & Norra 2021). - Wie lassen sich klimaanpassungsrelevante Eigenschaften urbaner Räume erfassen und bewerten?
Eine wirksame Klimaanpassung setzt belastbare Informationen über die heutige Ausgangssituation von Städten voraus. Im Fokus stehen daher Verfahren zur Analyse und Bewertung von Stadtgrün und urbanen Ökosystemleistungen, Versiegelung, öffentlichen Räumen und Strukturen, die für die Anpassungsfähigkeit und Vulnerabilität von Städten von Bedeutung sind (Boehnke et al. 2022, Naber et al. 2022, Böhnke & Jerutka 2020). - Wie verändern die sich wandelnden sommerliche Klimabedingungen urbane Räume?
Die klimawandelbedingte Zunahme sommerlicher Hitze zählt zu den größten Herausforderungen für europäische Städte. Im Fokus steht die Untersuchung räumlicher Temperaturmuster innerhalb von Städten sowie deren Veränderung während sommerlicher Hitzeereignisse und deren Folgen. Darüber hinaus analysiert das Forschungsvorhaben konkrete Folgen extremer werdender Hitze- und Dürreperioden für urbane Räume und Infrastrukturen. Ziel ist ein besseres Verständnis neuer klimabedingter Belastungen und Klimarisiken, die insbesondere für Städte in Deutschland und Europa infolge des Klimawandels in naher Zukunft prägend sein werden (Gkirmpas et al. 2025, Schäfer et al. 2023, Mohr et al. 2026).
Gesellschaftlich relevant wird die Forschung nur dort, wo sie den Bedürfnissen von Praxis und Bevölkerung gerecht wird. Die Teilnahme an und Unterstützung von administrativen sowie politischen Diskursen, eine möglichst große Nähe zur Praxis durch spezifische Weiterbildungen (Zertifikat zur Klimaanpassungsmanagerin) und Mitarbeit zur VDI-Richtlinie 3787 "Stadtentwicklung im Klimawandel" spannen hierzu den transdisziplinären Bogen in Praxis und Gesellschaft und unterstützen eine möglichst umsetzungsnahe Forschung.

Referenzen
Mohr S. et al. (2026): CEDIM Forensic Disaster Analysis (FDA) Group: Heat wave June 2026: Western and Central Europe. DOI: 10.5445/IR/1000195086
Boehnke D. (2025): Municipal planning challenges in adapting to heat and the role of practical guidelines. In npj Clim. Action 4 (1). DOI: 10.1038/s44168-025-00285-8.
Boehnke D. (2025b): Transformative Governance through Embedded Scientific Collaboration. Edited by Barbara Engel. KITopen (Urban Transformation 2025 - Connecting urban sustainability labs. Vol. 1: Contributions and Keynotes.). DOI: 10.5445/IR/1000192656
Böhnke D. H., Walter M. E. (2025): Maßnahmensammlung zur kommunalen Klimaanpassung. Veröffentlicht in KITopen. DOI: 10.35097/hskt7ytp75d90269
Gallacher C., Boehnke D. (2025): Pedestrian thermal comfort mapping for evidence-based urban planning; an interdisciplinary and user-friendly mobile approach for the case study of Dresden, Germany. In International journal of biometeorology 69 (11), pp. 2895–2912. DOI: 10.1007/s00484-024-02830-2.
Gkirmpas P., Tsegas G., Boehnke D., Vlachokostas C., Moussiopoulos N. (2025): Temperature Prediction at Street Scale During a Heat Wave Using Random Forest. In Atmosphere 16 (7), p. 877. DOI: 10.3390/atmos16070877.
Keller S., Benz S., Jehling M., Böhnke D., Hager G., Wursthorn S., Gallacher C., Reiter D., Hänchen L., Kistner F., Krikau S., Schenk A., Hinz S. (2025): Entwicklung von Planungshilfen für Klimaschutz und Klimaanpassung in der räumlichen Gesamtplanung mittels Fernerkundung - Abschlussbericht.
Boehnke D., Jehling M., Vogt J. (2023): What hinders climate adaptation? Approaching barriers in municipal land use planning through participant observation. In Land Use Policy 132, p. 106786. DOI: 10.1016/j.landusepol.2023.106786.
Schäfer A., Mühr B., Kaiser F., Böhnke D., Mohr S., Kunz M. (2023): CEDIM Forensic Disaster Analysis (FDA) Group: Untersuchung der globalen Hitzewelle im Jahr 2023.
Boehnke D., Krehl A., Mörmann K., Volk R., Lützkendorf T., Naber E., Becker R., Norra S. (2022): Mapping Urban Green and Its Ecosystem Services at Microscale—A Methodological Approach for Climate Adaptation and Biodiversity. In Sustainability 14 (15), p. 9029. DOI: 10.3390/su14159029.
Naber E., Volk R., Mörmann K., Boehnke D., Lützkendorf T., Schultmann F. (2022): Namares—A Surface Inventory and Intervention Assessment Model for Urban Resource Management. In Sustainability 14 (14), p. 8485. DOI: 10.3390/su14148485.
Böhnke D., Norra S. (2021): Stadtquartiere im Wandel, Kommunales Niederschlagsmanagement in Bestand und Neubau – Erkenntnisse praxisnaher Forschung. In Transforming cities (3), pp. 34–39.
Böhnke D., Jerutka K. (2020): Stadtplätze: Zur Bewertung der Aufenthaltsqualität von urbanen Räumen. In Stadt und Raum (6), pp. 330–335.

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