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Menschen als Sensoren

Menschen als Sensoren
Ansprechpartner:

Kathrin Poser

Projektgruppe:Naturrisiken im Klimawandel
Integration und Bewertung von Informationen der betroffenen Bevölkerung für das Hochwasser-Risikomanagement

Ausgangslage/Einführung

Für das Katastrophenmanagement und die schnelle Schadensabschätzung nach (Natur-)Katastrophen ist es wichtig, möglichst schnell einen möglichst umfassenden Überblick über die entstandenen Schäden und die daraus resultierenden Beeinträchtigungen zu erhalten. Die benötigten Informationen kommen aus unterschiedlichen Quellen (Beobachtungen von Einsatzkräften, verschiedene Sensoren, Luft- und Satellitenbilder) und müssen zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet werden, um für Entscheidungen im Katastrophenmanagement und die Auswertung von Ereignissen nutzbar zu sein.

Bisher werden Beobachtungen von Augenzeugen und Menschen vor Ort selten (ausgenommen Einsatzkräfte und andere Mitarbeiter im Katastrophenschutz) systematisch in das Katastrophenmanagement und die schnelle Schadensabschätzung einbezogen. Gerade bei Ereignissen mit größerer geographischer Ausdehnung können solche Informationen aber einen wertvollen Beitrag zur kontinuierlichen Einschätzung der Lage leisten.

Ziele/Arbeitsschritte

Struktur
Die zweiteilige Vorgehensweise des Projekts
Das Ziel der Arbeit ist, Informationen der betroffenen Bevölkerung für das Risikomanagement nutzbar zu machen. Am Beispiel der schnellen Schadensabschätzung nach Hochwasser-Ereignissen werden in dem Forschungsvorhaben Methoden zur Bewertung der Qualität solcher Daten entwickelt. Die konkreten Forschungsfragen sind:

 

  • Welche der benötigten Informationen können in ausreichender Qualität von der Bevölkerung beobachtet werden? Wie können diese Informationen erfasst werden?
  • Wie kann die Qualität dieser Informationen bewertet und kontrolliert werden? Wie kann die Qualitätsbewertung automatisiert werden?

Die Vorgehensweise besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil wird die Qualität der Beobachtungen der betroffenen Bevölkerung anhand von existierenden Daten aus Telefoninterviews untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden im zweiten Teil genutzt, um ein automatisiertes Verfahren zur Qualitätsbewertung für eine web-basierte Hochwassererhebung zu entwickeln und prototypisch umzusetzen.

 

Projektstatus

Bisher wurden die in Telefoninterviews ermittelten Daten zu Wasserständen und Fließgeschwindigkeiten auf Konsistenz innerhalb des Datensatzes, Konsistenz mit Modellergebnissen und Konsistenz mit eingemessenen Wasserständen untersucht.

Die Ergebnisse der internen Konsistenzprüfung und der Vergleich mit Ergebnissen hydraulischer Modelle zeigen, dass die Schätzungen des Wasserstands zwar erheblich von den modellierten Ergebnissen abweichen, allerdings im gleichen Rahmen, in dem die modellierten Daten von gemessenen Wasserständen abweichen. Die Einschätzungen der Fließgeschwindigkeiten mittels verbaler Beschreibung und Indikatoren weichen von den gemessenen Daten sehr stark ab, allerdings gibt es hier keinerlei gemessene Daten, so dass auch die Zuverlässigkeit der modellierten Daten nicht beurteilt werden kann.

Der Vergleich der Daten aus den Telefoninterviews mit eingemessenen Wasserständen wurde mittels geostatistischer Methoden durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die geschätzten Wasserstände eine ähnliche Abweichung zu den eingemessenen aufweisen wie die modellierten.

Ausblick

Der erste Teil der Arbeit soll im 1. Quartal 2009 abgeschlossen werden. Bis Ende 2009 sollen die Arbeiten am zweiten Teil des Projektes abgeschlossen und die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Publikationen

Poser, K.; Dransch, D.   Volunteered Geographic Information for Disaster Management with Application to Rapid Flood Damage Estimation.   Geomatica, 64(1), 89-98, 2010
 
Poser, K., Kreibich, H., Dransch, D.   Assessing volunteered geographic information for rapid flood damage estimation.   Proceedings of the 12th AGILE International Conference on Geographic Information Science: Advances in GIScience, 2009    
Kreibich, H., Poser, K., Haubrock, S.   Web-based data acquisition of flood affected people.   Geophys. Res. Abstr., 10, EGU2008-A-12167, 2008.    
Poser, K., Kreibich, H., Dransch, D.   Humans as sensors: assessing the quality of information from the public for rapid flood estimation.   In: Pebesma, E., Bishr, M., Bartoschek, T. (eds.), Proc. of the 6th Geographic Information Days (GI-Days), June 16–18, IfGI prints, 117-122, 2008.