Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology

Waldbrandrisiko in Süddeutschland

Kurzbeschreibung des Projektes und seiner Ziele

Jahrzehntelang schienen großflächige Waldbrände eher ein Problem der Mittelmeerstaaten wie Portugal, Spanien, Frankreich und Griechenland zu sein. Aber infolge des Klimawandels steigt auch in Deutschland das Auftreten langanhaltender Trockenperioden und damit verbunden auch die Waldbrandgefahr. In den Jahren 2018 und 2019 gab es in Deutschland besonders viele, mitunter auch großflächige Feuer. Allein im Jahr 2019 wurden mehr als 1.500 Waldbrände mit einer insgesamt betroffenen Fläche von über 2.700 ha erfasst. Dabei entstand eine geschätzter finanzieller Schaden von 2,22 Millionen Euro (BLE 2020).

Im Zusammenhang mit erhöhten Temperaturen und rückläufigen Niederschlägen in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten sagen Risikountersuchungen auch für die kommenden Jahrzehnte ein steigendes Waldbrandrisiko für Deutschland voraus. Gerade in dichtbesiedelten Gebieten wie Deutschland spielt der Wald eine wichtige Rolle, da er vielfältige bereitstellende, regulierende, kulturelle und unterstützende Funktionen einnimmt. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, Risikomodelle bzw. Vulnerabilitätsfunktionen zu entwickeln, die helfen können Risiken und Prognosen zu ermitteln und darauf aufbauend Maßnahmen zur Vermeidung von Waldbränden abzuleiten. Dies dient dem Ziel, zukünftig die Waldbrände in Flächengröße und Anzahl zu reduzieren und so den Wald zu schützen und zu erhalten.
Hierzu wird zunächst vor allem der wald- und totholzreiche süddeutsche Raum betrachtet. In den ersten Schritten soll eine geeignete Datengrundlage für die spätere Entwicklung von Vulnerabilitätsfunktionen bzw. eines Risikomodells geschaffen werden. Dazu wird zum Beispiel eine Schadensdatenbank aufgebaut, die historische Waldbrandereignisse in Deutschland beinhaltet. Bisher wurden schon über 200 Brandereignisse erfasst, die deutschlandweit aufgetreten sind.

Weitere wichtige Teil-Aspekte, die in diesem Projekt erfasst werden sollen und als Datengrundlage für die Entwicklung von Vulnerabilitätsfunktionen bzw. eines Waldbrandrisikomodells dienen:

  • Klassifizierung verfügbarer Brennstoffe über Landbedeckungskarten auf Basis von Satellitenbilddaten (siehe Abb. 2)
  • Topografie über hochaufgelöste digitale Geländemodelle
  • Klimadaten und Implementierung von Klimamodellen, die den Klimawandel und die Änderung des Fire Weather Index berücksichtigen
  • Open Source Risk Software Pakete für Waldbrände
  • Daten zur kritischen Infrastruktur (Feuerwehrstationen, Lage von Hydranten, Wassernetze, etc.)
  • Aufbau einer Datenbank zur kommunalen Bereitstellung von öffentlichen Geoinformationen der Landkreise und kreisfreien Städte

 

 

Literatur:
BLE (2020): Waldbrandstatistik der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2019.  

 

 

Brennender_Kiefernwald.jpg
Abbildung 1: Brennender Kiefernwald; Quelle: https://www.ble.de/SharedDocs/Bilder/DE/BZL/DatenBerichte/Waldbrand-2.jpg?__blob=poster&v=3
Landuse_LUBW_2010(2).png
Abbildung 2: Landnutzungskarte mit 15 verschiedenen Landnutzungsklassen der LUBW für Baden-Württemberg auf Basis von Landsat-Daten aus dem Jahr 2010 (Auflösung: 30 m); Quelle: https://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/