Steigendes Waldbrandrisiko in Deutschland

Die mit dem fortschreitenden Klimawandel einhergehenden erhöhten Temperaturen und rückläufigen Niederschläge führen auch in Deutschland zu einem steigenden Waldbrandrisiko.

Das Auftreten großflächiger Waldbrände schien jahrzehntelang eher ein Problem der Mittelmeerstaaten wie Spanien, Portugal, Frankreich und Griechenland zu sein. Im gesamten Mittelmehrraum gibt es jährlich mindestens 50.000 Waldbrände. Dabei fallen 700.000 bis 1.000.000 ha Wald den Flammen zum Opfer (FAO 2006). Infolge des Klimawandels steigt aber auch in Deutschland die Waldbrandgefahr. Unterschiedliche Klimaprojektionen zeigen für Deutschland eine Temperaturzunahme sowie in vielen Regionen eine Abnahme der Sommerniederschläge. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Anzahl, Länge und/oder Intensität von Trockenperioden zukünftig zunehmen wird (Bender et al. 2017). Lange Sommertrockenperioden waren unter anderem eine Hauptursache für die überdurchschnittlichen Waldbrandjahre 2018 und 2019. Aus den jährlich veröffentlichten Waldbrandstatistiken der Bundesrepublik Deutschland geht hervor, dass es in diesen Jahren besonders viele und mitunter auch großflächige Feuer gab (siehe Abb. 1). Allein im Jahr 2019 wurden mehr als 1.500 Waldbrände mit einer insgesamt betroffenen Fläche von über 2.700 ha registriert. Dies ist die größte Fläche seit 27 Jahren und übersteigt das langjährige Mittel von 812 ha (1991 – 2019) deutlich. Gleichzeitig entstand bei den Waldbränden des Jahres 2019 ein geschätzter finanzieller Schaden von 2,22 Millionen Euro (BLE 2020).


Abb. 1: Absolute Waldbrandfläche und durchschnittliche Schadensfläche je Waldbrand in Deutschland (2009 – 2019; Quelle: Statista 2020).

Klimatische Veränderungen wie sinkende Niederschläge und erhöhte Temperaturen in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten verstärken Verdunstung und Trockenheit und haben einen starken Einfluss auf Waldgebiete. Risikountersuchungen gehen davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten das Waldbrandrisiko in Deutschland weiter steigen wird (Umweltbundesamt 2020). Dabei spielt der Wald gerade in dichtbesiedelten Gebieten wie Deutschland eine wichtige und schützenswerte Rolle, weil er vielfältige bereitstellende, regulierende, kulturelle und unterstützende Ökosystemfunktionen einnimmt.

Im CEDIM-Projekt „Waldbrandrisiko in Süddeutschland“ sollen unter anderem im Rahmen einer Masterarbeit Vulnerabilitätsfunktionen bzw. Waldbrand-Risikomodelle entwickelt werden, die dabei helfen können, Risiken und Prognosen zu ermitteln und darauf aufbauend Maßnahmen zur Vermeidung von Waldbränden abzuleiten. Dies dient langfristig dem Ziel, Waldbrände in Zukunft in Flächengröße und Anzahl zu reduzieren und so den Wald zu schützen und zu erhalten. Hierzu wird zunächst vor allem der wald- und totholzreiche süddeutsche Raum betrachtet.

In ersten Schritten soll zunächst eine geeignete Datengrundlage geschaffen werden. Dies umfasst zum Beispiel den Aufbau einer Schadendatenbank, die historische Waldbrandereignisse in Deutschland beinhaltet. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden schon über 250 Brandereignisse erfasst, die deutschlandweit aufgetreten sind. Gleichzeitig befindet sich eine Datenbank zur kommunalen Bereitstellung von öffentlichen Geoinformationen der Landkreise und kreisfreien Städte im Aufbau und eine Sammlung von Open Source Risk Software Paketen für Waldbrände ist bereits verfügbar. In weiteren Schritten sollen Daten zur kritischen Infrastruktur (Feuerwehrstationen, Lage von Hydranten, Wassernetze, etc.) gesammelt werden und eine Klassifizierung verfügbarer Brennstoffe erfolgen. Schließlich stellen Klimadaten und die Implementierung von Klimamodellen, die den Klimawandel und die Änderung des Fire Weather Index berücksichtigen, einen weiteren wichtigen Teilaspekt dar, der in diesem Projekt erfasst werden soll.

 

Referenzen

  • Bender, S., Butts, M., Hagemann, S., Smith, M., Vereecken, H. & Wendland, F. (2017): Der Einfluss des Klimawandels auf die terrestrischen Wassersysteme in Deutschland. Eine Analyse ausgesuchter Studien der Jahre 2009 bis 2013; Climate Service Center Germany (Hg.): Hamburg, Report 29: 83 Seiten.
  • BLE (2020): Waldbrandstatistik der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2019.
  • FAO (2006). Global Forest Resources Assessment 2005 – Report on fires in the Mediterranean Region. Fire Management Working Paper 8. http://www.fao.org/forestry/site/fire-alerts/en.
  • Statista (2020): Wälder in Flammen. Unter Mitarbeit von Matthias Janson. Online verfügbar unter https://de.statista.com/infografik/18581/flaeche-aller-waldbraende-und-schadensflaeche-je-waldbrand/, zuletzt geprüft am 31.05.2021.
  • Umweltbundesamt (2020): Waldbrände. Online verfügbar unter https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/waldbraende, zuletzt geprüft am 31.05.2021.

 

Zugehöriges Institut am KIT: Institut für Geographie und Geoökologie (IFGG)

Author: Johannes Brand (Juni 2021)