Forschungs- und Bewertungsdefizite bei langfristigen Katastrophen: Die Algenblüte 2025 in Südaustralien
Die aktuelle Algenblüte in Südaustralien zählt zu den größten, die das Land je erlebt hat. Sie dauert inzwischen nahezu zehn Monate an und hat zu massivem Fischsterben, erheblichen Umweltschäden sowie negativen Auswirkungen auf den Tourismus und die menschliche Gesundheit geführt – insbesondere entlang der Küsten von Adelaide am Golf von St. Vincent. Über 200 Arten wurden tot aufgefunden; die Fangmengen vieler Arten sind um 90 bis 95 Prozent zurückgegangen, darunter Abalone, Hornhechte, Tintenfische und Krabben. Eine Gruppe von John-Monash-Stipendiaten in Australien arbeitet in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des CEDIM an einer schnellen Schadensanalyse dieser Algenblüte. Zu diesem Zweck wurde ein Formular für Gesundheitsmeldungen eingerichtet, mit dem Berichte über gesundheitliche Beeinträchtigungen beim Menschen sowie Auswirkungen auf Tiere erfasst werden sollen (Link).
Mehrere Länder haben aufgrund der erheblichen Auswirkungen umfangreiche Forschungen zu Algenblüten durchgeführt. China beispielsweise stuft schwere sogenannte rote Fluten (Red Tides, d. h. hochtoxische Algenblüten) ausdrücklich als Meereskatastrophen ein und verfügt über eine standardisierte Methodik zur Untersuchung und Bewertung von Schäden in den Bereichen Aquakultur, Tourismus, industrielle Wasserentnahme und Abwasserwirtschaft, Notfallmaßnahmen, menschliche Gesundheit sowie ökologische Auswirkungen (siehe HY/T Red-tide Disaster-loss Guideline; Ministry of Natural Resources, 2023 In die Berechnungen fließen unter anderem direkte Verluste der Fischzuchtbetriebe (Marktgröße und Saatgutphase), Kosten für Notfall- und Überwachungsmaßnahmen sowie Unterbrechungen von Dienstleistungen ein. In den jährlichen Meereskatastrophenbulletins werden die Auswirkungen schädlicher Algenblüten (Harmful Algal Blooms, HAB) regelmäßig neben Sturmfluten, Wellenereignissen und Eisphänomenen aufgeführt (Ministry of Natural Resources, 2024).
Auch Florida in den USA nutzt ausgefeilte Indizes und Indikatoren, um die Schwere schädlicher Algenblüten zu quantifizieren, Umweltbedingungen zu überwachen und deren Auswirkungen auf Ökosysteme zu messen. Diese standardisierten Messgrößen ermöglichen eine konsistente Beobachtung sowie Vergleiche über Zeiträume und Regionen hinweg. In den vergangenen Jahrzehnten kam es dort wiederholt zu roten Fluten.
Aus der Literatur zu Florida und China geht hervor, dass der Nährstoffexport aus Flüssen stark mit dem Auftreten schädlicher Algenblüten korreliert. Das Ereignis in Südafrika im Jahr 2025 (vorherrschend Karenia spp., zunächst als K. mikimotoi, später auch als K. brevis und K. cristata identifiziert) weist dieselbe Gefahrenabfolge auf wie die Ereignisse in China und den USA: Nährstoffeintrag infolge von Hochwasser, kombiniert mit einer marinen Hitzewelle und einer stabilen Wassersäule, führt zu einer toxischen Algenblüte, die wiederum Fisch- und Megafauna-Sterblichkeit sowie Atemwegs- und Augenreizungen bei Tieren und Menschen durch Aerosole und Meerschaum verursacht. Dies steht im Einklang mit dem GEOHAB/UN-HIPs-Rahmen (Glibert et al., 2018).
In Australien bestehen bislang kaum Vorkehrungen für längerfristige Umweltkatastrophen oder andere Katastrophenarten, bei denen die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht unmittelbar erkennbar sind. Entsprechend fehlen Kriterien, um ein Ereignis als Katastrophe im Sinne staatlicher Finanzhilfen, Wiederaufbaumaßnahmen und politischer Interventionen einzuordnen. Vergleichbare Schwierigkeiten waren weltweit während der Corona-Pandemie zu beobachten und traten auch bei Hitzewellen und Dürren auf, deren Auswirkungen ebenfalls nur schwer zu charakterisieren sind. Häufig ist dies darauf zurückzuführen, dass sich solche Katastrophen über mehrere Nachrichten- und Konjunkturzyklen hinweg erstrecken und zudem mit politischen Agenden sowie schwankenden Informationslagen und Auswirkungen überlagert werden. Dies verschärft die Folgen langfristiger Katastrophen zusätzlich, insbesondere wenn geeignete Finanzierungsmechanismen fehlen. In der neuen Version der HIPs werden zahlreiche weitere Katastrophenarten aufgeführt, die ebenfalls einen erheblichen Forschungsbedarf erkennen lassen.
Angesichts der weltweit zunehmenden Zahl mariner Hitzewellen, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, ist – wie die Statistiken der Harmful Algae Event Database (HAEDAT) der IODE zeigen – ein deutlicher Anstieg von Algenereignissen an Küstenregionen weltweit zu verzeichnen. Vor diesem Hintergrund sind weitere Arbeiten erforderlich, um diese Ereignisse systematisch zu erfassen und zu charakterisieren. Die Forschung zu diesem Thema wird in 2026 fortgeführt.
Weiterführende Links:
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Website mit Analysen, Bibliothek, Daten und mehr: https://www.bloominalgae.com.au
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Link zu den COVID-19-Arbeiten von CEDIM: https://mecfs-research.org/en/costreport-long-covid-and-mecfs/
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UNDRR: Hazard Information Profiles (HIPs) 2025 version: https://www.undrr.org/publication/documents-and-publications/hazard-information-profiles-hips-2025-version
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Harmful Algal Information System (HAEDAT): https://haedat.iode.org/advancedSearch.php
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Bulletin of China Marine Disaster: https://ikcest-drr.data.ac.cn/directory/drrmd-dn6fb7
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Goverment of South Australia "Algal Bloom Update": https://www.algalbloom.sa.gov.au
Autor: James Daniell (Januar 2026)

